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Warum Verhalten immer einen guten Grund hat

  • alexandrasteinlg
  • 1. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Wir alle kennen es: Ein Kind wirft sich im Supermarkt schreiend auf den Boden, ein Kollege reagiert auf eine harmlose Frage unerwartet gereizt, oder wir selbst schieben eine wichtige Aufgabe immer wieder auf, obwohl wir wissen, dass es uns schadet. Die unmittelbare Reaktion auf solches Verhalten ist oft Unverständnis, Ärger oder Urteil. Wir bewerten es als "schlecht", "unangemessen" oder "faul".

Doch was wäre, wenn wir einen Schritt zurücktreten und annehmen, dass jedes dieser Verhalten aus der Perspektive der handelnden Person einen "guten Grund" hat? Das bedeutet nicht, dass das Verhalten objektiv gut oder akzeptabel ist. Es bedeutet, dass es für die Person in diesem Moment die beste oder einzig mögliche Strategie darstellt, um ein Bedürfnis zu befriedigen, ein Gefühl zu bewältigen oder ein Problem zu lösen.

Verhalten als Lösungsversuch

Der Kern dieser Idee ist, dass Verhalten selten aus dem Nichts entsteht. Es ist eine Reaktion auf innere oder äußere Umstände.

  • Das schreiende Kind im Supermarkt: Der "gute Grund" ist hier nicht, die Eltern zu blamieren. Vielleicht ist das Kind überreizt von den vielen Lichtern und Geräuschen und sein Nervensystem ist überlastet. Der Wutanfall ist dann ein verzweifeltes Ventil, um diesen unerträglichen Zustand zu beenden. Oder es hat Hunger und kann dieses Bedürfnis noch nicht anders ausdrücken.

  • Der gereizte Kollege: Sein Verhalten mag unprofessionell wirken, aber vielleicht hat er schlecht geschlafen, macht sich Sorgen um ein krankes Familienmitglied oder fühlt sich durch eine hohe Arbeitslast unter Druck gesetzt. Die gereizte Reaktion ist ein ungeschickter Versuch, sich vor weiterer Belastung zu schützen.

  • Das Aufschieben (Prokrastination): Selten ist der Grund reine Faulheit. Oft stecken dahinter tiefere Ängste – die Angst zu versagen, die Angst vor Kritik oder die Angst, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Das Aufschieben ist eine kurzfristige Strategie, um diese unangenehmen Gefühle zu vermeiden. Der "gute Grund" ist also Selbstschutz.

 

Aus psychologischer oder systemischer Sicht basieren viele unserer Verhaltensmuster auf früheren Erfahrungen. Ein Mensch, der in der Kindheit gelernt hat, dass er nur durch lautes Schreien Aufmerksamkeit bekommt, greift möglicherweise auch als Erwachsener unbewusst auf ähnliche Strategien zurück, wenn er sich übersehen fühlt. Der "gute Grund" ist hier ein tief verankertes Muster, das einmal funktioniert hat.

 

Effektivere Lösungen: Anstatt nur das Symptom (das Verhalten) zu bekämpfen, können wir die Ursache angehen. Dem überreizten Kind hilft keine Strafe, sondern Ruhe. Dem gestressten Kollegen hilft kein Vorwurf, sondern vielleicht ein kurzes, verständnisvolles Gespräch. Und wer prokrastiniert, braucht keine Selbstvorwürfe, sondern Strategien zum Umgang mit der zugrunde liegenden Angst.

Bessere Beziehungen: Kommunikation, die auf Verständnis statt auf Urteilen basiert, ist der Grundstein für stabile und vertrauensvolle Beziehungen – sei es in der Familie, im Beruf oder in der Partnerschaft.

 

Bist du selbst der gereizte Kollege oder der Aufschiebende lohnt es sich auf Ursachenforschung zu gehen. Welches Ereignis unseres bisherigen Lebens oder welche verankerten Glaubenssätze können zu diesem Verhalten führen? Möchte ich diese vielleicht auflösen, das Ereignis befrieden, um es künftig leichter zu haben und schwierige Situationen einfacher bewältigen zu können? Dann kann zum Beispiel eine Aufstellung der Schlüssel sein.

 
 
 

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